Im Test: „Echtes“ Fotobuch von Saal Digital

Fotobuch von Saal Digital

Auf Einladung des Fotobuch-Anbieters Saal Digital konnte ich ein Fotobuch bestellen und dabei die Möglichkeiten durchspielen, die der Hersteller seinen unterschiedlichen Kundenkreisen bei der Erstellung anbietet. Der Anbieter selber war mir nicht unbekannt, nur bestellt hatte ich bei ihm noch nicht. Das hatte Gründe. Ob die sich bewahrheiten, zeigt sich in meiner Testbestellung.

Das große Unterscheidungsmerkmal von Saal Digital ist die fotografische Belichtung, mit der die Fotobücher und bis auf größere Formate meisten anderen Produkte hergestellt werden. Bei der Mehrheit der anderen Fotobuchanbietern kommen Digitaldruckmaschinen (meist von HP Indigo) mit Tinte zum Einsatz, Saal belichtet auf Fotopapier von Fujifilm mit digitalen Fotolaboren. Dabei muss ich zur Ehrenrettung der Tintenstrahldruckverfahren sagen, dass die allermeisten von uns die dabei verwendete Rasterung wenn überhaupt nur unter der Lupe erkennen können. Aber das Fotografenherz schlägt natürlich eher für eine Fotobelichtung und für Fotoabzüge mit ihrer eigenen Anmutung.

Was mich bisher von Fotobelichtungen abhielt, war die vergleichsweise geringe Auflösung der digitalen Fotolabore, die normalerweise bei 300 dpi liegt. Dies hat nämlich Nachteile bei der Text- und Vektorgrafikwiedergabe; feine Linienstärken wie Unterstriche bei Serif-Schriften können dabei nicht so gut wiedergegeben werden wie bei höher auflösenden Inkjet-Druckmaschinen. Aber es geht ja hauptsächlich um Fotos und ich habe mich bei meinem Test mit Schriftelementen dezent zurückgehalten, so dass ich es beurteilen kann, Line-art aber in der Gestaltung kaum eine Rolle spielt.

Bei meiner Motivauswahl hatte ich allerdings ein paar sehr kontrastreiche und fein detailierte Schwarzweißaufnahmen dabei, deren Detailwiedergabe in Hinblick auf die Auflösung ich ebenfalls als kritisch einstufe. Daneben stellte ich einen Querschnitt meiner fotografischen Werke und Fotografien meiner Gemälde zusammen, was in dem verwendeten Format von 19 x 19 cm ein schön transportables Fotobuch ergab, das nun einen festen Platz in meinem Allday-Rucksack hat.

Da ich mit Bildbearbeitung vertraut bin und Photoshop einsetze, habe ich alle Doppelseiten des Fotobuchs in Photoshop gestaltet und dafür ein eigenes Gestaltungsraster mit Hilfslinien angelegt. Saal Digital bietet für diesen Zweck Photoshop-Templates an, die zumindest dafür nützlich sind, die richtige Pixelbreite und -höhe bereitzustellen. Daneben gibt es für normale Anwender noch einfach zu beherrschende Möglichkeiten, die Fotobuch-Software zu nutzen und beispielsweise automatisch die Seiten zu befüllen. Profis können auch PDF-Uploads nutzen und Softproofs mit von Saal Digital bereitgestellten ICC-Farbprofilen anzeigen lassen.

Saal Digital

Die Fotobuch-Software setzt auf Adobe Air auf, das ist eine web-basierte Anwendungssoftware, die keinen Browser benötigt und sich praktisch wie ein normales Programm verwenden lässt. Die Web-Anbindung hat verschiedene Vorteile, so können aktuelle Änderungen bei Preisen und Produkten leicht eingepflegt werden und der Upload und Bestellvorgang ist integriert. Einmal zeigte sich jedoch ein Fehler, als ich eine Foto-Doppelseite nachträglich in Photoshop änderte, und ich darauf das aktuelle Projekt nicht weiterbearbeiten konnte und anstatt dessen ein neues Projekt anlegen musste. Insgesamt ist der Umgang mit der Fotobuch-Software von Auswahl der Produkte über Gestaltung bis zum Check-out aber einfach und gut beherrschbar. Für Anwender von Photoshop und Indesign stellt Saal Digital auch entsprechende Layout-Plugins bereit.

Das Fotobuch

Was ich dann zwei Werktage nach Abschicken der Bestellung in die Hände bekam, hat es mir (und anderen Betrachtern des Fotobuchs) angetan:

Fotobuch von Saal Digital

• die Vorder- und Rückseiten sind sauber miteinander verklebt, was den einzelnen Seiten eine höhere Stabilität verleiht

• das von mir gewählte Fujicolor Crystal Archive Album Matt hat eine sehr schöne Haptik (durch eine Laminierung) und ist ziemlich unempfindlich gegen Fingerabdrücke

• das Matt-Fotopapier wirkt nicht stumpf, hat (wohl durch die Laminierung) sogar einen leichten Glanz und auf dunklen Bildstellen deutlicher sichtbaren Perl-Schimmer

• schöne und natürliche Farbwiedergabe auch bei den Reproduktionen meiner Gemälde – für knallige Farbmotive würde ich aber wohl die Glanz-Fotopapier-Variante vorziehen

• obwohl die Tiefenwirkung bei der Glanz-Variante größer sein soll, ist bei meinen Schwarzweiß-Motiven ein großer Kontrast und eine gute Durchzeichnung in den dunklen Bildstellen vorhanden

• die fotografische Detailzeichnung ist sehr gut

Fotobuch von Saal Digital

Meiner Einschätzung nach muss man wie eingangs erwähnt Abstriche bei der Wiedergabe feiner Linien und Vektorelemente machen, was man aber über entsprechend gewählte Schriften und Textgrößen gegensteuern kann. Die von Saal Digital Panorama-Bindung genannte Buchbindung lässt die Seiten des aufgeschlagenen Fotobuchs fast flach aufliegen und eignet sich somit für Motive, die über den Buchbund gehen, beispielsweise Panoramas. Ganz plan liegen die Seiten jedoch nicht auf, was mich selber aber nicht stört.

Fazit

Saal Digital ist sicherlich nicht der günstigste Fotobuchanbieter, aber einer der wenigen mit Fotopapier-Belichtung statt Inkjet-Druck, was sich in meinen Augen für Fotofreunde lohnt. Und diejenigen, die sich etwas besser mit der Materie auskennen, werden von diesem Anbieter auch bedacht, beispielsweise bei der Wahl des Farbraums (nicht nur sRGB), der Softproof-Unterstützung mit ICC-Profilen oder den verschiedenen Optionen des Profibereichs. Also: Gerne wieder (und ein Test der Großformatprodukte / Fine Art Prints ist auch schon in Planung)!

 

#SaalDigital

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