Das Blinzeln der Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit

In meinem letzten Blogbeitrag hatte ich versprochen, über das Buch „Hirnforschung und Meditation“ von Wolf Singer und Matthieu Richard zu berichten. Nun habe ich mich entschieden, dies nur auszugsweise zu machen. Ich bin in diesem Dialog zwischen einem Neurowissenschaftler und einem buddhistischen Mönch nämlich auf zwei Phänomene gestossen, die mich sehr fasziniert haben und denen ich mit eigenen Erfahrungen nachzugehen versuche. Das eine, über das ich hier schreibe, nennt sich „attentional blink“, auf Deutsch: Das Blinzeln der Aufmerksamkeit. Mehr lesen

Demut – was schwach scheint, ist eine Tugend

Es gibt Wörter mit verschiedenen Bedeutungen, es gibt Wörter, bei denen ist die Bedeutung im Wandel. Demut ist so ein Wort, auf das beides zutrifft. Abstammen tut das Wort vom althochdeutschen diomuoti, was die Dienstwilligkeit eines Knechts umschreibt. Bei den alten Griechen und Römern war sie die wenig geachtete Eigenschaft eines Sklaven. Und „sich demütigen lassen“ will niemand – auch ich nicht. In unseren Ego-Zeiten ist aber die aktive Form von Demut eine wiederentdeckte Tugend. Die Philosophen sprechen von der Seinsdemut als einer Grundhaltung des echten Philosophen vor der Wirklichkeit (Philosophisches Wörterbuch, Kröner Verlag). Die einfachste Definition lautet „das Anerkennen einer höheren Macht“. Erich Fromm liefert eine psychologische Auslegung, nach der Demut die emotionale Entsprechung der Vernunft und Objektivität bei der Überwindung des Narzissmus ist. Und für Albert Schweizer ist es die Kunst, auch zu den kleinsten Dingen aufschauen zu können. Demut als Haltung. Dazu auch dieses Zitat:

Demut besteht nicht darin, dass wir uns für minderwertig halten, sondern darin, dass wir vom Gefühl unserer eigenen Wichtigkeit frei sind. Dies ist ein Zustand der natürlichen Einfachheit, der im Einklang mit unserer wahren Natur ist und uns erlaubt, die Frische des gegenwärtigen Augenblicks zu schmecken. (Matthieu Ricard)

Ich bin überzeugt, dass viele Menschen, die heute Nachhaltigkeit leben und kommende Generationen wie auch die Natur nicht berauben wollen, die versuchen, achtsamer mit anderen und mit sich umzugehen, die erkennen wollen, welche wichtigen Werte Orientierung im Leben schaffen, Demut bereits leben, auch wenn sie sie nicht so benennen.

Die Demut des Herzens verlangt nicht, dass du dich demütigen, sondern dass du dich öffnen sollst. Das ist der Schlüssel des Austausches. Nur dann kannst du geben und empfangen. (Antoine de Saint-Exupéry)

Literaturtipp:
Matthieu Ricard – Glück
Der ehemalige Molekularbiologe und heutige buddhistische Mönch zeigt den Weg, durch Demut Glück zu empfinden.