Ein Atlas der Gefühle

Gefühle

In Gruppentherapien ist es eine weitverbreitete Technik, die Teilnehmer dazu zu bringen, ihre Gefühle zu benennen. Ein einfaches „Ich fühle mich gut“ oder „Alles ok“ reicht da nicht als Antwort. Und fast immer werden bei den Patienten Widerstände zu Tage treten. Und ich behaupte, nicht nur den „Therapiebedürftigen“, sondern der Mehrheit von uns geht es so.

Zwei Dinge sind dabei zu unterscheiden: Wie gut kann ich meine Gefühle wahrnehmen? Und wie gut kann ich meine Gefühle benennen oder ausdrücken?
Das erste, die Wahrnehmung, ist etwas ganz Natürliches. Nur gibt es aber viele Mechanismen, die Wahrnehmung seiner Gefühle zu unterdrücken, Bewusstseins-Filter dafür aufzubauen, oder zu versuchen, sie zu ignorieren. Aber sie sind da (immer!), diese Gefühle, sie lassen sich nicht beiseite schieben, und sie bewirken etwas. Mehr lesen

Das Geschenk der Enttäuschung

Enttäuschung

Titi Paun – Desillusion
artmajeur.com/titip

Enttäuschung ist kein schönes Gefühl. Der eine hatte eigentlich erwartet, dieses Jahr Weihnachtsgeld zu erhalten, jemand anders ist einfach enttäuscht, weil der doppelt so teure Kaffee nicht doppelt so gut schmeckt. Die großen Enttäuschungen klingen dramatischer: Da hat man zehn Jahre auf etwas Großes hingearbeitet und muss sich davon abwenden, weil die jetzige Situation einfach eine andere ist. Das angesparte Geld wurde durch die Wirtschaftskrise entwertet. Der Partner hat sich anders orientiert. Nach zwei Jahren Training schaffe ich noch immer keinen Halbmarathon.

Enttäuschung ist das Gefühl des Unbefriedigten, weil Erwartungen und Hoffnungen sich nicht erfüllen. Mehr lesen

Zeugnisse, in der Zeit stehengelassen

Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit, ein kleines Zeitfenster zum Fotografieren zu nutzen. Bekannte von mir hatten einen alten Bauernhof gekauft, der schon ziemlich renovierungsbedürftig war, und während sie schon am Ausräumen waren, konnte ich die anderen Räume in ihrem alten Zustand ablichten. Nochmals eine Dekade zuvor hatte der letzte Bewohner das Haus verlassen und war kurz darauf in ein anderes Leben übergegangen. Und noch viel länger zuvor ist an dem Anwesen nichts wesentliches mehr geändert worden. Mehr lesen

Zwischen den Orten

Zu Fuß geht es von Tutzing nach Bernried, auf einem Pfad, um diese Zeit kaum betreten. Zwischen den Orten liegt die Schneelandschaft indifferent und still unter einem milchig-grauen Himmel. Nur leicht modeliert die Sonne diesen Himmel und verleiht ihm einen Hauch von Lebensfarbe. Der Blick in die Welt erfasst nur wenig Konturiertes, der Starnberger See, wenn er sich mal zeigt, wirkt unwirklich, körperlos in seiner Senke. So bleibt die Konzentration auf den Schneepfad gerichtet, für die Schritte, wo notwendig. Und im Kopf, mal nah, mal fern.