Lebensmittel-Versorgungsalternativen, Teil 2 (mit Buchverlosung)

Am 29. Oktober fand die sechste Minimal-Kom, die Konferenz für Minimalisten und Interessierte, im Essener Unperfekthaus statt. Ich war erst zweimal dabei, dieses Mal aber gleich mit einem Vortrag mit dem Thema, wie man sich alternativ zum Supermarkteinkauf mit Lebensmitteln versorgen kann.

Wem dazu nur der Wochenmarkt und der Bio-Laden einfällt: Es gibt wesentlich mehr Möglichkeiten, und ich berichtete von vier Alternativen aus persönlicher Erfahrung. Du findest in diesem Beitrag auch einen Download-Link zur Präsentation des Vortrags. Im letzten Beitrag hatte ich bereits diese Alternativen (und weitere) kurz vorgestellt und mit nützlichen Links zum Start in das jeweilige Thema versehen. Ich muss mich an dieser Stelle auch gleich bei den Teilnehmern der Minimal-Kon entschuldigen, denn das Thema war so ergiebig, dass ich meine Redezeit deutlich überschritt. Dem fiel auch die Frage-und-Antwortrunde zum Opfer, du kannst aber gerne eine Frage in den Kommentaren stellen.

Download Vortragspräsentation (PDF)

Im Vortrag ging ich zunächst auf meine hauptsächlichen Beweggründe ein, mich mit Alternativen zum Supermarkt-Einkauf zu beschäftigen: Das sind die immense Lebensmittelverschwendung und die Art, wie Supermärkte „ticken“ und uns zu Überkonsum verleiten wollen. Lebensmittel brauchen wir, sie sind Mittel zum Leben. Es gehört zum Grundrecht eines Menschen, ausreichend mit Lebensmitteln versorgt zu sein – und es gibt genug Lebensmittel, um die ganze Menschheit zu versorgen. Dennoch hungern Menschen und gleichzeitig werfen wir viel zu viel Lebensmittel weg. Etwa die Hälfte vom Lebensmittelverlust von der Erzeugung bis zum Verbraucher ist vermeidbar und dafür eignen sich viele Herangehensweisen wie das Retten von Lebensmitteln bzw. Foodsaving und Foodsharing (dazu später).

Motivation Lebensmittelverschwendung reduzieren

Im Verbrauchsanteil der Lebensmittel-Prozesskette tragen wir Konsumenten den größten Anteil zur Lebensmittelverschwendung bei. Im Schnitt wirft jeder Haushalt 26% Gemüse, 18% Obst 15% Backwaren und 12% Speisereste von seinen beschafften Lebensmitteln weg. Wir können daher selber im eigenen Verhalten schon viel bewirken, um diesen Anteil kleiner werden zu lassen. Ein reduzierter Lebensmittelverlust wirkt sich auch auf den Klima-Fußabdruck aus und setzt Landflächen frei.

In diesem Zusammenhang ging ich auch auf Getreide für Tierfutter ein. Mit über 60% wird nämlich Getreide zu diesem Zweck erzeugt, der menschliche Verbrauch liegt bei unter einem Viertel. Bei Soja ist es noch krasser, hier werden 90% der Ernte für Tierfutter verwendet. Es ließe sich eine Menge Lebensmittel und CO2 einsparen, wenn wir uns deutlich mehr vegetarisch oder vegan ernähren würden.

Dass wir aber in den Haushalten soviel wegwerfen, liegt auch an den Konsumanreizen der Supermärkte – Läden, die ich inzwischen nur ungerne besuche. Drei Viertel des Einkaufs erledigen die Deutschen bei den Top-5 des Lebensmitteleinzelhandels. Damit geben wir diesen Firmen eine Marktmacht, die zum Beispiel Preisdruck auch bei Bio-Erzeugern bewirkt. In der Summe wächst der Umsatz der großen Fünf mehr als die Bevölkerungszahl.

Alles Super oder was?

Nicht unerwähnt sollten die Psychotricks der Supermärkte zur Umsatzsteigerung bleiben:
– So zum Beispiel das „Männerparken“ an einem Imbissstand auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt. Ohne männliche Begleitung gehen Frauen nämlich länger einkaufen und erwerben einen größeren Warenkorb.
– Die Wegführung durch den Supermarkt ist durchdacht und meist gegen den Uhrzeigersinn. Nach Marktstudien steigert das den Umsatz um bis 10% im Vergleich zu einer Wegführung im Uhrzeigersinn.
– Es werden gezielt Lichtfarben und Duftstoffe als Kaufanreiz verwendet.

Dies sind nur einige der Methoden, mit denen Supermärkte den Überkonsum befördern. Auch erwähnen sollte ich die Marken-Dominanz: große Lebensmittelkonzerne wie Nestlé, Unilever, Mondelez (früher Kraft) beherrschen das Angebot. Aktuell und lesenswert ist zu diesem Thema und der Lebensmittelindustrie allgemein der gerade aktualisierte Konzernatlas der Heinrich-Böll-Stiftung.

Als ich Vegetarier wurde, achtete ich schon bald darauf, möglichst unverarbeitete Lebensmittel einzukaufen. Das minimiert auch die Prozessverluste an Lebensmitteln vor dem Konsum. Aber früh begann ich, mich nach alternativen Lebensmittelquellen umzusehen, von denen ich vier Möglichkeiten aus meiner Praxis vorstellte.

Auch Verpackungsabfall einsparen

Ich habe das Glück, in Fußwegnähe einen Unverpackt-Laden zu erreichen. Wie der Name schon deutlich ausdrückt, kann ich hier unverpackte Lebensmittel einkaufen und vermeide so Verpackungsabfall. Außerdem kann ich bedarfsgerechtere Mengen einkaufen und sehe die Ware direkt. Hier decke ich einen großen Bedarf an Trockenwaren wie Müsli, Reis, Nudeln oder Linsen. Es braucht natürlich etwas mehr Planung, denn man bringt seine eigenen Abfüllbehälter mit. Viele Unverpackt-Läden haben auch Bio-Waren außerdem sind sie transparenter und auskunftsfreudiger über ihre Lieferanten. Die Zahl der Unverpackt-Läden wächst ständig, dennoch fehlt es vielen an Bekanntheit. Ein gemeinsames Netzwerk könnte da helfen.

Essen teilen

Bild: foodsharing.de

Überflüssige, nicht benötigte Lebensmittel lassen sich leicht teilen. Das kann etwa direkt in der Nachbarschaft erfolgen, indem man beispielsweise einen gemeinsam genutzten Foodsharing-Essenskorb im Treppenhaus aufstellt. Oder man nutzt das Netzwerk von foodsharing.de oder ähnlichen Initiativen. Ich bin schon einige Jahre bei Foodsharing dabei. Zunächst nutzte ich die Möglichkeit, auf deren Internet-Plattform Essenskörbe einzustellen, die bei mir zuhause abgeholt werden können. Dann besuchte ich Foodsharing-Verteiler (Fairteiler genannt) und inzwischen bin ich regelmäßiger Besucher und auch als Foodsaver aktiv geworden, sprich, ich steuere auch eingesammelte Lebensmittel bei und helfe bei der Wartung und Reinigung des Fairteilers. Inzwischen ist der Fairteiler ein fester Bestandteil an meiner Lebensmittelversorgung – so bekomme ich dort reichlich Brot und andere Backwaren. Oft genug sind auch Bio-Waren wie Salate verfügbar. Foodsaver müssen übrigens nicht unbedingt an einem Fairteiler mitwirken. Das Wichtige ist, dass Lebensmittel gerettet werden.

Einstieg in die Selbstversorgung

Die Kleingarten-Bewegung sorgt seit Langem dafür, dass sich Schrebergärtner selbst Nahrungsmittel anbauen können, doch heute gilt ein Schrebergarten vielen als spiessig und mit zu vielen Regularien versehen. Dabei gibt es zum Einstieg in die Selbstversorgung einige und auch günstigere Alternativen. Über das Green-Apes-Netzwerk konnte ich als Mitwirkender bei einem Selbsterntefeld (auch Miet-Gemüsegarten genannt) einsteigen, bei dem der vermietende Landwirt bereits die Saat ausgebracht hat. Der Ertrag reicht zur teilweisen Bedarfsdeckung an pflanzlicher Nahrung und die Arbeit hält sich im überschaubaren Zeitrahmen von wenigen Stunden wöchentlich. Aber jeder ackert für sich, Ruhezonen und Schattenplätze sind oft Fehlanzeige.

Bild: Wiki Commons, cc

Wer es kommunikativer und selbstbestimmter will, für den sind innerstädtische Gemeinschaftsgärten eine Alternative. Gemeinschaftsgärten gibt es in unterschiedlicher Ausprägung und zwei davon (Siepental und Haumanngarten) habe ich an meinem Wohnort Essen genauer kennengelernt. In Essen stehen noch einige Potentialflächen für Gemeinschaftsgärten bereit (Link). Da die Lage oftmals im öffentlichen Raum ist, ist leider auch die Gefahr von Vandalismus und Miterntern groß, außerdem haben viele Gemeinschaftsgärten keine eigene Wasserversorgung. Nach meinen Erfahrungen mit Selbsterntefeld und Gemeinschaftsgärten würde ich am liebsten bei einer Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) einsteigen, jedoch liegt der nächste Solawi-Bauernhof über 20 km von meinem Wohnort entfernt.

So weit (so kurz) zu meinen Erfahrungen mit alternativen Lebensmittelquellen. Wenn du dich auch weniger dem üblichen Einkauf in Supermärkten aussetzen willst, solltest du aber Schritt für Schritt selber ins Handeln kommen, was auch eine Änderung der Einkaufsgewohnheiten einschliesst. Ein Anfang wäre etwa, konsequent nach Einkaufszettel einkaufen zu gehen. Ein alter Tipp, den aber viele nicht beherzigen.

Zur Minimal-Kon 17

Nicht unerwähnt lassen will ich noch ein paar Eindrücke zur diesjährigen Minimal-Kon. Da ich selber nicht im Familienverbund lebe, habe ich die Podiumsdiskussion zum Thema „Minimalismus und Famile“ nur zum Teil mitbekommen, sehr wohl aber die Beiträge zum Aufwand, Minimalismus in der Familie zu betreiben – es scheint mitunter echt anstrengend zu sein und man sollte nach vertretbaren Kompromissen suchen. Minimalismus darf halt nicht eine verkrampfte Sache sein, sondern idealerweise einen erfüllen, den Kopf freier machen und auch Spaß machen.

Nach dem nächsten Vortrag von Jasmin Mittag zum bedingungslosen Grundeinkommen (da bin ich auch ein Befürworter) werde ich mich mal um ein solches auf mein-grundeinkommen.de bewerben. Bislang wurden bereits 119 Grundeinkommen von 1000 Euro monatlich für ein Jahr finanziert. Jasmin hielt eigentlich weniger einen Vortrag, sondern moderierte hauptsächlich eine Diskussion unter den Teilnehmern.

War Gabi Raeggel letztes Jahr noch mit dem Angebot einer Gehmeditation dabei, sorgte dieses Mal mit einer Achtsamkeits-Übung für den geistigen Ausgleich nach der Mittagspause, danke dafür, ich habe gleich mit praktiziert. Die von ihr angesprochenen Achtsamkeitsinseln im Alltag, etwa während einer Busfahrt, sind eine gute Praxis, „den Kopf frei zu kriegen“.

Mit Interesse bin ich dann auch dem Vortrag von Sunray Dollase zum Thema Capsule Wardrobe gefolgt, obwohl ich als Mann nicht gerade zur Zielgruppe gehöre. Das Kleidungsthema („ich habe nichts zum Anziehen und mein Kleiderschrank platzt aus allen Nähten) treibt Frauen doch wesentlich mehr um. Aber ich nehme als Anstoß mit, mal einen Blogbeitrag über die Entrümpelung meines Kleiderschranks zu schreiben.

Leider war zum Schluß die Zeit für den Impulsvortrag von Tobi Rossweg (Living Utopia, Bildungskollektiv) etwas kurz, aber Tobi hat das routiniert gemeistert und reichlich Input/Impulse zum Thema „Geldfreier leben – Wege in ein neues Miteinander“ geliefert, inklusive Ergänzungen zu den vorherigen Themen bedingungsloses Grundeinkommen, Lebensmittel und Foodsharing. Für die nächste Minimal-Kon würde ich mir etwas Zeitpuffer gegen Ende der Veranstaltung wünschen. Gut angenommen wurde übrigens auch der Open Space, an dem die meisten der Besucher der Minimal-Kon aktiv teilnahmen und an den Thementischen munter diskutiert wurde. An dieser Stelle auch mein Dank an die Organisatoren Swenja und Michael sowie für die Moderation und Sprechervorstellung Marc. Und noch etwas Tolles: Wie immer war die Minmal-Kon 2017 selber ohne Eintritt – dafür wurden von den Teilnehmern gerne Geldspenden gegeben/geteilt.

Buchverlosung (beendet)

Es gab auch einen Tauschbüchertisch auf der Minimal-Kon, und ich hatte vergessen, meine bereits bereitgelegte Literatur mitzunehmen. Nun, dafür verlose ich jetzt hier einmal den Titel „Ich bin raus – Wege aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung“ von Robert Wringham. Gewinnen kannst du, indem du einen Kommentar (mit deiner E-mail-Adresse) zu diesem Beitrag hinterlässt, der irgendetwas und mehr als ein Wort zum Thema Minimalismus beinhaltet. Am 12. November lose ich aus und werde anschließend den Gewinner/die Gewinnerin um ihre Adresse zum Zusenden bitten.

Teil 1) Vorstellung der Alternativen und Links

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