Lebensmittel: Alternativen für (nicht nur) Minimalisten – Teil 1

Dies ist ein Beitrag anlässlich der MinimalKon17, der Konferenz für Minimalisten, auf der ich einen Vortrag zum alternativen Bezug von Lebensmitteln gehalten habe. In diesem Beitrag geht es vor allem um Internet-Links zu den Themen des Vortrags, also eine erste Anlaufstation, falls Du dich für ein bestimmtes Thema bei alternativen Quallen von Lebensmittel interessierst. In Teil 2 gibt es dann eine Zusammenfassung des Vortrags sowie die Präsentationsfolien.

Für mich gibt es zwei Gründe, alternative Bezugsquellen für Lebensmittel zu nutzen, die vor allen anderen stehen: das ist die unglaubliche Lebensmittelverschwendung von der Erzeugung bis zum Verbrauch sowie meine Abneigung für Einkäufe in Supermärkten, diesen Konsumtempeln mit einer eigentlich irrwitzigen Behandlung der Kunden.
Lebensmittel, das sagt schon das Wort, brauchen wir. Alleine in Deutschland verbrauchen wir ohne Getränke davon etwa 55 Millionen Tonnen im Jahr. Dazu kommt aber der Lebensmittelverlust von Erzeugung bis Konsum, der in Industriestaaten bzw. der ersten Welt zwischen 30% und 40% liegt – eindeutig zuviel und eine zutiefst unmoralische Sache. Übrigens dürfen wir uns als Verbraucher selber an die Nase fassen: Wir steuern prozentual den größten Anteil an der Verschwendung bei.
Vom WWF Deutschland gibt es die wohl aktuellste umfassende Publikation in Deutschland zum Thema Lebensmittelverschwendung:
Themenseite auf der WWF-Website
PDF-Link zur WWF-Studie
Auch lesenswert: Die Think.Eat.Save-Kampagne von 2013 mit dem FAP-Toolkit (PDF), englischsprachig


Supermärkte sind Konsumtempel. Für mich, der mit zunehmender Zufriedenheit einen minimalistischen Lebensstil pflegt, sind sie eine Zumutung, ja teilweise fühle ich mich als Kunde gegängelt und ständig wird versucht, einen auszutricksen. Zum Beispiel empfinde ich es als Gängelung, zu Grundnahrungsmitteln wie Mehl im Supermarkt weite Wege zurücklegen zu müssen (natürlich, damit ich unterwegs noch weitere Sachen spontan einkaufe). Und dass Supermärkte noch weitere Psychotricks anwenden, dürfte hinlänglich bekannt sein. So etwa läuft man in praktisch allen Supermärkten gegen den Uhrzeigersinn durch die Regalgassen – das bringt 10% mehr Umsatz als andersherum.
Utopia-Ratgeber Supermarkt-Tricks
Verkaufspsychologie.org: Supermarkt-Psychologie
Davon abgesehen gibt es gerade bei Supermärkten einkalkulierte Verschwendung von Lebensmitteln, etwa wenn kurz nach Feierabend der meisten Kunden die Frischwarentheken noch einmal extra voll gemacht werden. Das führt natürlich zu mehr Lebensmittelverschwendung, aber angeblich will der Kunde das ja so…
Ich habe mich immer unwohler dabei gefühlt, in Supermärkten einzukaufen. Mir fehlte es auch oft an bedarfsgerechten Portionen oder wirklich regionalen Angeboten bei Gemüse und Obst (statt Marketing-Regionalität). Zunehmend sah ich mich daher nach alternativen Lebensmittelquellen um, die mich möglichst mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln versorgen.

Mein „Einstieg“ war die Nutzung von Streuobstwiesen. Aus dem eingesammelten Obst mache ich etwa auch als Mitbringsel und Geschenk sehr beliebte Chutneys. Oft genug sind Streuobstwiesen öffentlich zugänglich und die Obstbäume dienen häufig nicht zur Eigennutzung der Wieseneigner. Hier ein gutes, deutschlandweites Verzeichnis von frei nutzbaren Streuobstwiesen und Nutzbaumstandorten:
Mundraub.org

Foodsharing war dann bald das nächste, was ich ausprobierte. Das Teilen von über gebliebenen und nicht benötigten Lebensmitteln startete ich mit der Abgabe von Essenskörben gegen Abholung. Bald darauf probierte ich dann das erste Mal einen Fairteiler (wie das bei foodsharing.de genannt wird) aus und inzwischen besuche ich regelmäßig einen Fairteiler, wo ich sowohl bestücke als auch abhole. Foodsharing ist für alle ohne Bedingungen und kostenfrei nutzbar. Mehr zu Foodsharing schreibe ich in meinem nächsten Beitrag.
Foodsharing Startseite
Internationales Foodsaver-Netzwerk yunity

Unverpackt macht Sinn. Im Supermarkt ist fast alles verpackt und somit wird mit praktisch jedem gekauften Produkt Verpackungsabfall produziert. Dass das nicht sein muss, beweisen die Unverpackt-Läden, deren Zahl in Deutschland stetig zunimmt. Seit diesem Jahr habe ich die Möglichkeit, in kurzer Laufdistanz einen solchen Laden zu erreichen, denn bei mir um die Ecke öffnete mit dem „Glücklich unverpackt“ (Facebook-Link) in Essen der erste Laden dieser Art im Ruhrgebiet. Zum Abfüllen bringt man die nötigen Behälter selber mit, diese werden leer und beim Zahlen mit Ware gewogen.
Übersicht über die meisten Unverpackt-Läden in Deutschland (von 11ie.de)

Selbsterntefeld: Eine Alternative zum Schrebergarten (mit all seinen Vereinsregularien und den Wartezeiten auf einen freien Kleingarten) sind die Selbsterntefelder, die sich vorwiegend in der Peripherie von Großstädten etabliert haben. Ich hatte dieses Jahr das Glück, bei einen solchen einzusteigen und konnte erste Erfahrungen gewinnen. Das Prinzip ist meistens so: Ein Landwirt stellt Fläche in Parzellen bereit und bringt die Saat aus. Selbsternter müssen sich dann in der Saison um die Pflege ihres Feldstücks kümmern, was aber mit relativ wenig Zeitaufwand verbunden ist. Ein guter Einstieg in die Selbstversorgung, außerdem ist die Ernte regional, in der Regel ohne Chemie, Bio und saisonal.
Meine Ernte und Ackerhelden – Websites zur Vermittlung von Selbsterntefeldern

Gemeinschaftsgärten (Urban Gardening) sind die innerstädtische Gegenstücke zur ländlichen Selbstversorgung. Die Konzepte sind unterschiedlich, viele Gemeinschaftsgärten liegen im öffentlichen Raum. Neben dem Eigenanbau steht die Kommunikation miteinander im Mittelpunkt, es gibt bei vielen Gemeinschaftsgärten auch Veranstaltungen und sie sind oft ein Nachbarschaftstreffpunkt. Neben der lokalen Internetsuche nach Gemeinschaftsgärten in deiner Stadt bietet sich als Startpunkt folgender Link an:
Liste der Transition Initiativen

Solidarische Landwirtschaft (Solawi) schließt den üblichen Verteilermarkt aus. Die Mitglieder organisieren und finanzieren einen eigenen Wirtschaftskreislauf, der Landwirt/Solidarhof kann den Bedürfnissen der Mitglieder entsprechend anbauen und die Ernte und weiter verarbeitete Erzeugnisse gehen an die Mitglieder. Die Vorteile: Man erhält frische, regionale und saisonale Lebensmittel und weiß, von wem und wie sie erzeugt wurden. Der Landwirt hat ein gesichertes Einkommen, weniger Ernteausfallrisiko und unterliegt nicht mehr einem marktwirtschaftlichen Druck. Er kann sich nachhaltigen Anbaumethoden widmen. Meist gibt es pro Woche ein bis zwei feste Abholtage, mit 75 bis 100 Euro/Monat ist die Vollversorgung einer Person mit Gemüse und mehr möglich. Sollte es mir gelingen, eine Mitglieds-, Fahr- und Verteilergemeinschaft für mein Stadtviertel auf die Beine zu stellen, werde ich 2018 eine Mitgliedschaft in der nächstgelegenen Solawi (etwa 20 km entfernt) eingehen.
Netzwerk Solidarische Landwirtschaft

Marktschwärmer ist der deutsche Name für ein Konzept, das sich zuerst in Frankreich erfolgreich etabliert hat. Kurz gesagt ist es ein Verteiler für regionale und saisonale Lebensmittel, bei dem Mitglieder (der „Schwarm“) über eine Internet-Plattform Lebensmittel bestellen und bezahlen und am Verteiltag in der „Schwärmerei“ abholen. Bei Marktschwärmer sind die Erzeuger persönlich am Verteiltag anwesend – so kann man sich direkt bei ihnen informieren. Organisiert wird das ganze von den Gastgebern, die wie der Plattformbetreiber 8,35% vom Nettoumsatz erhalten. Für Erzeuger ist dies eine Form des Direktvertriebs, bei dem er nur bestellte Ware anliefert. Verkäufe finden auf einem Marktschwärmer-Verteiler nicht statt, die Mitgliedschaft in einer Schwärmerei ist zu nichts verpflichtend und kostet nichts.
Startseite Marktschwärmer
FAQ für Interessierte (Kunden)
FAQ für Gastgeber (Organisatoren)
FAQ für Erzeuger

Dies wären die alternativen Lebensmittelquellen, mit denen ich mich bis dato intensiver beschäftigt habe. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe an Möglichkeiten, sich ohne Supermarktbesuch mit regionalen, saisonalen Lebensmitteln zu versorgen, zum Beispiel:
• Hofläden
• Ökokiste/Biokiste
• regionale Anbieter auf Wochenmärkten

Im zweiten Teil folgt meine Zusammenfassung des Vortrags auf der MinimalKon17, dazu gibt es dann auch die Folien der Vortragspräsentation.

Lebensmittel-Versorgungsalternativen, Teil 2 (mit Buchverlosung)

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