Kontowechsel nachhaltig gedacht

Kontowechsel

Mit 18. September 2016 gilt das neue Zahlungskontengesetz (ZKG), um eine EU-Richtline umzusetzen und den Bankkunden den Kontowechsel zu erleichtern. Viele wollen schon lange wechseln, doch die meisten scheuen den Aufwand. Nach dem jetzt eingeführten ZKG verliert der Aufwand an Schrecken. Doch wohin wechseln?

Wer sich einmal für eine Bank entschieden hat, bleibt ihr im Vergleich zu anderen Vertragsbeziehungen unglaublich lange treu. Ein Geschäftsmodell, von dem Zeitungsverleger für ihren Umsatzgaranten Abonnement nur träumen können.

Die Banken haben gerade aber alle ein großes Dilemma. Das Führen eines Girokontos ist eine Dienstleistung, die Geld und Aufwand kostet. Doch davon kriegten Normalverdiener jahrzehntelang nichts zu spüren, jedenfalls nicht direkt. Die kostenfreie Kontoführung ist keine, sondern Teil einer Mischkalkulation. Und die Kosten für das Bankkonto holt sich das Geldinstitut über Provisionen für Geldanlagen wieder herein.

Das hat gut funktioniert, solange die Mischkalkulation stimmte. Und deshalb gab es diese Augenwischerei auch nur für Kunden, die genügend verdienten, also die Chance hoch stand, mit ihnen auch Geldanlagegeschäfte (Fondsparplan, Altersvorsorge,…) abzuschließen. Wer mit seinem Einkommen darunter liegt, löhnt schon immer Kontoführungsgebühren.

Basiskonto: Nur für Verschuldete?

Ein P-Konto für Geringverdienende mit Schuldenlast (oder auch vorsorglich zur Existenzabsicherung eingerichtet) kostet beispielsweise bei der Postbank 5,90 Euro pro Monat. Genauso viel verlangt die Postbank für das Guthabenkonto Giro Basis. Bei der Deutschen Bank, zu der die Postbank gehört, beläuft sich die Basiskonto-Gebühr auf 4,99 Euro – und eine weitere Bank im Besitz der Deutschen Bank, die Norisbank, bietet das auch umsonst an – Bonität vorausgesetzt (ansonsten für 5,00 Euro Monatsgebühr). Gleichzeitig drehen die Banken an der Bonitätsschraube für eine „gebührenfreie“ Kontoführung, so etwa jüngst die Postbank mit ihren bislang vielen treuen Altkunden.

Durch den Druck des Zinsverfalls verlieren die traditionellen Bankunternehmen bei eben dem wichtigen Grundpfeiler Geldanlage an Boden. Denn die meisten anlagewilligen Privatkunden fragen sich, wozu soll ich eine Geldanlage tätigen, die mir nichts mehr einbringt und bei der für mich der Unterschied zum Kontoguthaben nicht mehr da ist? (Antwort: Der eventuelle Gewinn wird von den jetzigen Provisionsmodellen der Banken aufgezehrt.)

Wer auch auf Dispo-Kredit/Kontoüberziehung verzichten kann, für den ist an sich ein Basiskonto je nach Anbieter eine gute Wahl – nur haftet dem Basiskonto oder Jedermanskonto der Geruch des „Konto für Verschuldete“ an. Schließlich kann man ein Basiskonto ohne Schufa-Auskunft eröffnen.

Sukzessive: Kontoführungsgebühr für alle

Für die meisten privaten Bankkunden zählen nach wie vor als Hauptkriterium gebührenfreie Kontoführung und/oder niedrige Dispo-Zinsen (die immer unverhältnismäßig hoch sind). Wenn sich nun auch die „gebührenfreie“ Kontoführung für die Geschäftsbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken nicht mehr lohnt, wird dieses Kriterium für immer mehr Bankkunden wegfallen.

Deshalb sollte man seine Prioritäten neu ausrichten. Denn die Wechselbereitschaft ist nach einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Forsa-Studie im Auftrag der Triodos Bank bei vielen da:
• Jeder Vierte (25 %) kann sich zukünftig vorstellen sein Konto zu wechseln, in der Gruppe mit höherem Einkommen jeder Dritte (34%) und bei den 18-29-Jährigen sogar fast jeder Zweite (43%)
• 72% legen großen Wert auf Transparenz wie Banken ihre Gelder verwenden

Ist die jetzige Bank in Steuervermeidung (56%), Lebensmittelspekulation (56%) und Atomkraft (40%) involviert, steigt die Wechselbereitschaft. Für mich selber ist dafür eine konsequente Anlagepolitik der neuen Bank im Bereich Ökologie und Nachhaltigkeit entscheidend.

Gutmensch-Produkte von der Standardbank?

Auch die konventionellen Banken schielen auf neue Formen der Kundenbindung, wenn sie bald nicht mehr mit kostenfreier Kontoführung werben können. Schon seit einiger Zeit gibt es auch bei Konventionellbanken ethische Anlageprodukte und deren Anzahl wird zunehmen. Das ist etwa so wie mit den Bio-Produkten bei Aldi oder Lidl: Grundsätzlich gut, dass es das gibt, aber fast schon irrelevant im gesamten Warenangebot – und es werden weiter deutlich mehr Produkte mit Palmöl oder sonstigen unökologischen Eigenschaften verkauft. Derartige Finanzprodukte (was für ein schlimmes Wort) werden in nächster Zeit vermehrt von den Standard-Banken angepreist werden, die aber erhebliche Anteile der Gelder ihrer Kunden in Projekte stecken, die zumindest  intransparent, wenn nicht unethisch sind.

Welche weiteren Maßnahmen die üblichen Banken gegen die durch das Kontoführungsgesetz nun steigende Wechselbereitschaft nun ergreifen, zeigt sich in nächster Zeit. Schließlich können sich die konventionellen Banken jetzt gegenseitig Kunden abjagen. Ich vermute, dass dabei auf den „noch einfacheren“ Kontowechsel fokusiert wird. Wenn irgendetwas plötzlich bequem funktioniert, ist das schließlich meist ein großer Anreiz.

Dazu sind die Banken beim Kontowechsel verpflichtet

Das neue Zahlungskontogesetz verpflichtet die Banken dazu, bei einem Kontowechsel (alte und neue Bank), dem Kunden zu helfen. Sobald man online oder in der Filiale ein Ermächtigungsformular zum Kontowechsel abegegeben hat, muss die bisherige Bank Daten, sämtliche Einzugsermächtigungen, Daueraufträge und Lastschriften an die neue Bank übersenden. Dazu hat sie bis zu fünf Arbeitstage Zeit. Die neue Bank hat im Anschluss ebenfalls fünf Arbeitstage Zeit, die Informationen an Zahlungssender und -empfänger wie dem Stromversorger, den Vermieter oder dem Arbeitgeber weiterzuleiten.

Appell: Der bequeme Wechsel alleine zählt nicht

Es dürfte jetzt klar sein, dass die Banken zu einem komfortableren Kontowechsel verpflichtet sind – macht dabei also den bequemen Bankenwechsel nicht zu dem einzigen Entscheidungskriterium für eine neue Bank. Abgesehen davon: Ganz so bequem wird der Wechsel doch nicht sein, denn bei einigen Zahlungsempfängern wie Amazon müsst ihr doch selber tätig werden und eure Online-Zahlungsinformationen aktualisieren.

Ich selber plädiere zu einem Wechsel zu einer Ökobank beziehungsweise Ethikbank / alternativen Bank / grünen Bank. In punkto Sicherheit und den sonstigen Standards bei Girokonten (wie Onlinebanking, Bargeldabhebung, Kreditkarte, Kontoauszugsdrucker) stehen die Öko- oder auch Ethikbanken den konventionellen Banken nicht nach. Wer allerdings lieber persönlich eine Filiale zut Beratung aufsuchen will, hat bei den Ökobanken schlechte Karten, da sie kaum Filialen betreiben und überwiegend als Direktbank in Anspruch genommen werden. Es gibt auch noch die kirchlichen Banken mit ethischen Anlageregeln, aber bei den Ökobanken kommt dazu auch eine größere Transparenz als bei allen anderen Banken.

Abschließend findet ihr noch einige Links zum Thema und zu alternativen Banken:

Gesetzestext beim Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz

Übersicht kirchlicher und alternativer Banken der Verbraucherzentrale Bremen (PDF-Link)

Forsa-Umfrage im Auftrag der Triodos Bank (PDF-Link)

Utopia.de: 7 Gründe, warum du am 18. September ganz einfach die Bank wechseln solltest

Movum.info Der Aufstieg der grünen Banken

Disclaimer
Ich bin nicht im Finanzgeschäft tätig, empfehle in diesem Text keine einzelne Firma und die von mir gesetzten Links sind keine Affiliate-Links.

Ein Gedanke zu „Kontowechsel nachhaltig gedacht

  • 2. Januar 2017 um 09:25
    Permalink

    Ein sehr informativer Artikel, zumal vielen garnicht bewusst ist, auf was tatsächlich bei einem Wechsel zu achten ist, denn letztendlich geht es nicht nur darum, Gebühren einzusparen. Auch der Service bzw. die Leistungen müssen am Ende stimmen.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.