Zeugnisse, in der Zeit stehengelassen

Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit, ein kleines Zeitfenster zum Fotografieren zu nutzen. Bekannte von mir hatten einen alten Bauernhof gekauft, der schon ziemlich renovierungsbedürftig war, und während sie schon am Ausräumen waren, konnte ich die anderen Räume in ihrem alten Zustand ablichten. Nochmals eine Dekade zuvor hatte der letzte Bewohner das Haus verlassen und war kurz darauf in ein anderes Leben übergegangen. Und noch viel länger zuvor ist an dem Anwesen nichts wesentliches mehr geändert worden. Die Spuren der einstmals ausgeübten Landwirtschaft waren reichlich vorhanden, selbst ein alter Traktor stand noch in seiner Garage. Außen alles verwildert, innen nur teilweise ausgeräumt. Beim Durchgehen der Räume hatte ich gleichzeitig ein Gefühl der Faszination und einer leichten Beklemmung. So viele Zeugnisse eines vergangenen Lebens, einfach in der Zeit stehen gelassen.

KücheAmFenster

Betreten wird das Haus durch die Küche. Es existiert auch ein anderer Eingang zur Straße hin, aber der war wohl im Alltag unwichtig. In der Küche war das Chaos am größten. Hereingetragene Sachen achtlos hingestapelt, während Holzteller noch sauber verräumt im Regal stehen. Die Pfanne hat schon fast eine rostige, innigere Verbindung mit dem Herd, so lange steht sie schon da.

PanoWohnstube

Nebenan: Die gute Stube, zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht mehr so gut aussehend. Ärmliche Restmöblierung, ein altes Plastikteil von Fernseher. Dem Kachelofen erweist ein bereitgestellter Eimer mit Holzscheiten Referenz. Links geht eine enge und steile Stiege in den ersten Stock.

GrossesZimmerOben

Im ersten Stock: Ein eher privater Wohnbereich. Die ehemaligen Bewohner waren sehr gläubig, die Spiegelkommode voller Heilgenbilder und Statuen zeugt davon.

Noch mehr Religiöses auf den Bildern im Schlafzimmer (siehe Titelbild), dem auffälligerweise das Bett fehlte. Im Karton Briefe einer nach dem zweiten Weltkrieg nach Kanada ausgewanderten Verwandschaft.

Dachboden1

Während ich im Stall und in den Scheunen kaum Licht zum Fotografieren hatte, erlaubte ein Fenster auf dem Dachboden noch diese Aufnahme der ineinandergestapelten Holzbottiche, in denen wohl früher Sauerkraut angesetzt wurde.

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Alle Aufnahmen entstanden vom Stativ mit Belichtungsserie und wurden in HDR-Bearbeitung zusammengesetzt.

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