EU will E-Zigarette durch Regulierung und Redeverbot vom Markt fegen

Ich bin seit einiger Zeit Nichtraucher. Das ist mir mit E-Zigaretten gelungen, die nicht geraucht, sondern gedampft werden. E-Zigaretten bestehen aus einem Akku und einem Träger mit Verdampfereinheit und Behältnis für die zu verdampfende Flüssigkeit. Diese Flüssigkeit wird vernebelt, ähnlich wie bei einer Disko-Nebelmaschine. Die Flüssigkeit ist frei von Feststoffen (Partikel), besteht aus lebensmittelrechtlich zugelassenen Bestandteilen und Aromen und kann (muss aber nicht) Nikotin enthalten. Beim E-Dampfen entstehen keine Verbrennungsprodukte. Leider gibt es in der öffentlichen Wahrnehmung eine Art Verzerrung, was die Gesundheitsschädlichkeit von Tabakzigaretten und E-Zigaretten betrifft.

Nicht das Nikotin ist dabei die entscheidende Komponente, sondern die ganzen Verbrennungsprodukte, die beim Rauchen von Partikeln entstehen. Neben Teerprodukten und Kohlenmonoxid sind dies bis über 6000 bisher bekannte Stoffe. E-Zigaretten-Liquids und deren Dampf enthalten weder Teerprodukte, Kohlenmonoxid noch die sonstigen Verbrennungsstoffe. Das von den meisten Dampfern benutzte Nikotin hat Suchtpotenzial, keine Frage (siehe dazu dieses PDF-Dokument, Abschnitt VII). Darum sollten nikotinhaltige Produkte nur an Volljährige abgegeben werden, die es im Rahmen ihrer Eigenverantwortlichkeit konsumieren. Über die letale (tödliche Dosis) von Nikotin wird ebenfalls fortwährend ein zu niedriger Wert in der Öffentlichkeit kommuniziert. Dieser bezieht sich auf eine uralte Untersuchung, die ähnlich der berüchtigten Spinat-Aussage über Ewigkeiten unüberprüft weiter als wissenschaftlicher Beleg angeführt wurde. Medienkampagnen in der jüngeren Vergangenheit führten dazu, dass selbst starke Raucher E-Zigaretten für gefährlicher halten als ihren eigenen Zigarettenkonsum. Ich bin selber zweimal von rauchenden Bekannten mit diesen Bedenken angesprochen worden.

In verschiedenen Internet-Foren ist es jedoch nicht schwer (nur zeitaufwendig) sich ein besseres Bild von E-Zigaretten zu verschaffen. So kam auch ich zu meiner „Hardware“ und den Liquid genannten Verdampfflüssigkeiten. Für mich haben sich dabei folgende Punkte für einen erfolgreichen Rauchstopp als wichtig gezeigt:

  • eine ausreichende Dampfentwicklung, die mittels Geschmack, optionaler Inhalation und visuell für ein dem Rauchen vergleichbares Erlebnis sorgen
  • regulierbare Nikotinstärke, damit ich meine Nikotindosis selber anpassen und herunter regulieren kann (ich selber habe die empfohlene Umsteigerdosis von 18 mg/ml sofort auf 12 mg/ml reduziert und bin jetzt bei 4 bis 6 mg/ml, abwechselnd mit nikotinfreien Liquids
  • Vielfalt der Komponenten auf dem Markt, denn die individuelle Kombination von Geräteteilen und Liquid-Geschmäckern ist mit entscheidend für den Genuß und vor allem Akzeptanz bei umstiegswilligen Rauchern
  • offene, nachfüllbare Systeme statt Kapselsysteme, da man sich sonst von einem Herstellerformat abhängig macht, Kapselsysteme unnötigen Abfall produzieren und Kapseln in der Regel unterdimensioniert und überteuert sind (vergleichbar mit den Kapselsystemen im Kaffeemarkt)

Die meisten E-Dampfer (sie haben es nicht gerne, E-Raucher genannt zu werden), mit denen ich mich ausgetauscht habe, sind rauchfrei. Davon gelang dies einem hohen Prozentsatz gleich am ersten Tag. Kaum ein Dampfer ist übrigens vorher Nichtraucher gewesen. Es wird viel Positives von verbesserter Gesundheit, mehr Geschmacksempfinden und besseren Geruchssinn berichtet. Das sogenannte Craving, das heftige Verlangen nach einer Zigarette, tritt nur selten auf. Viele sind regelrecht erlöst von Rauch-Zigaretten, im Dampfer-Jargon Pyros genannt, und erleben eine merklich bessere Lebensqualität. Ganz im Gegensatz dazu stehen die Aussagen über NRT-Produkte (NRT: Nicotine Replacement Therapy) wie Nikotinpflaster und Kaugummis, die von großen Pharmafirmen wie Johnson & Johnson angeboten werden. Sie bewirken kaum etwas, die Ausstiegsquote ist sehr niedrig, das Craving bleibt.

Es gab bei mir beim Umstieg Entzugserscheinungen. Meine Befürchtungen, dies mit starker Nervosität und dem erwähnten Craving zu erleben, bewahrheiteten sich dabei nicht. Die Entzugserscheinungen waren eher körperlicher Art (bei mir etwa muskulär wie bei einem leichten Muskelkater und leichte Abgeschlagenheit). Die eher leicht ausgeprägte Abhängigkeit von Nikotin wird ja noch befriedigt, wenn auch auf andere, unbedenklichere Art. In Tabakzigaretten sind übrigens von den Herstellern gewollt Chemikalien enthalten, die eine schnellere (fast sofortige) Wirksamkeit des Nikotins im Gehirn und somit das Verlangen befördern – das ist bei E-Zigaretten nicht so, bei denen es sich eher um ein Erreichen eines Levels mit nivellierter Nikotinwirksamkeit handelt. Meine Entzugserscheinungen deuten darauf hin, dass in Tabakzigaretten noch andere suchterzeugende Substanzen enthalten sind.

Für mich hat sich das E-Dampfen als der beste Ausstieg aus dem Rauchen von Verbrennungsprodukten erwiesen. Auf E-Dampfen kann ich inzwischen auch tagelang verzichten, vielleicht leichter als andere auf ihre Tasse Kaffee. Mein Glück war, den Umstieg zu einem Zeitpunkt zu machen, als der Markt für E-Zigaretten bereits gut entwickelt war und mir mit genügend ausgereiften Produkten einen leichten Umstieg ermöglichte. Die von der Großindustrie angebotenen Zigaretten-Imitate konnten mich dabei gar nicht überzeugen. Sie sehen aus wie Zigaretten, haben ein nicht nachfüllbares und zu kleines Depot und ein unbefriedigendes Rauchersatzerlebnis. Für einen Raucher sind sie ebensowenig ausstiegswirksam wie die NRT-Produkte.

Doch für E-Dampfer und Raucher, die vom Tabak wegkommen wollen, droht nun Ungemach: Die EU ist momentan in einem sogenannten Trilog mit einem Beschluss des Europäischen Parlaments zur Regulierung der E-Zigarette befasst. Auf diesen von der Öffentlichkeit abgeschotteten Trilog haben Lobbyisten Einfluss. Alles, was davon zur Zeit durchsickert, lässt befürchten, dass die E-Zigarette in seiner jetzigen Form – die bereits Millionen in der EU zum Rauchstopp verholfen hat, so restriktiv reguliert wird, dass sie de facto vom Markt verschwindet. So wird angestrebt, dass E-Zigaretten

  • nur noch mit abgeschlossenen Kapselsystemen mit extrem kleinen Füllmengen in den Handel kommen dürfen
  • damit auch nicht mit Nachfüll-Liquids befüllt werden können. Hier entzieht die EU dem Verbraucher die Wahl zwischen Geschmacksrichtungen (mit lebensmittelrechtlich zugelassenenen Aromen); er ist auf das Angebot der Großindustrie angewiesen
  • Auflagen erfüllen müssen, die Tabakzigaretten nicht erfüllen müssen (Ausnahme sind hier Verdampfersysteme der großen Pharmafirmen!). Dazu gehört beispielsweise ein umfassendes Bewerbugsverbot oder der Ansatz, Kindern den Umgang mit E-Zigaretten durch technische Konstruktionen zu erschweren (zum Vergleich: wie will die EU das Anzünden einer Tabakzigarette erschweren?). Auch sollen E-Zigaretten Nikotin gleichmäßiger abgeben können als Tabakzigaretten, von denen eine geregelte Abgabe gar nicht verlangt wird. Hier hat möglicherweise ein Patentteil durch Lobbying einer Firma es in die Vorlage der EU-Kommission gefunden.

Unter dem Strich reguliert die EU mit diesem Vorhaben – das in dieser aktuellen Fassung an dem Beschluss des Europäischen Parlaments vorbei geht (ein Vergleich hier, PDF-link) – den Markt der E-Zigaretten kaputt. Man kann mit gesundem Menschenverstand vorhersagen, in Zukunft werden in diesem Szenario deutlich weniger Raucher den Ausstieg schaffen. Und leider wird ein nicht geringer Prozentsatz der jetzigen E-Dampfer zum Rauchen zurückkehren. Das Ergebnis dieses EU-Regulierungsvorhabens ist also gesundheitspolitisch verheerend.

Maulkorb

Es kommt aber noch schlimmer. In der aktuellen Vorlage vom 6.12.2013 will die EU auch noch öffentliche Äusserungen pro E-Zigarette drastisch einschränken. Neben scharfen Werbeverboten für Hersteller ist dazu dieser skandalöse Passus formuliert:

„Member states shall ensure that: … e) any form of public or private contribution to any event, activity or individual with the aim or direct or indirect effect of promoting electronic cigarettes and involving or taking place in several Member States or otherwise having cross-border effects is prohibited.“ (Quelle)

Das bedeutet auf Deutsch: Mitgliedstaaten der EU sollen herbeiführen, dass jede Form der öffentlichen oder privaten Meinungsäußerung pro E-Zigarette (auch indirekt) zum Beispiel hier im Internet verboten ist. Wes Geistes Kind sind die Verfasser? Leben wir schon in einem totalitären Staatenverbund?

Fazit

Zusammenfassend: E-Zigaretten sind keine gesunden Produkte, auch wenn sie kein Nikotin enthalten – vergleichbar ungesund wie Kaffee. Autoabgase sind auch nicht gesund, nur so zum Vergleich. Aber die Gesundheitsgefährdung von E-Zigaretten ist ungleich geringer als die von Tabakprodukten. Die EU verkennt die eindeutig positive Wirkung eines Rauchstopps mit E-Zigaretten und will Befürworter der E-Zigarette auch noch mundtot machen. So geht das nicht, und ich werde meine Stimme auch dann noch erheben, wenn mich die EU dafür kriminalisieren wird. So weit ist es aber noch nicht – wehret den Anfängen!

 

((update 15.12.13: Ein neueres proposal (PDF-Dokument) sieht nun wiederbefüllbare Behälter vor. Der Maulkorb-Absatz existiert weiterhin.))

2 Gedanken zu „EU will E-Zigarette durch Regulierung und Redeverbot vom Markt fegen

  • 7. November 2014 um 23:05
    Permalink

    bei all den scheinheiligen Argumenten zum beispiel zur schädlichkeit von e zigaretten und dem geforderten verbot zu dampfen, übersehen wir doch was:

    Dampfen ist absolut schädlich – nicht für uns, aber die tabakindustrie

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