Das Blinzeln der Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit

In meinem letzten Blogbeitrag hatte ich versprochen, über das Buch „Hirnforschung und Meditation“ von Wolf Singer und Matthieu Richard zu berichten. Nun habe ich mich entschieden, dies nur auszugsweise zu machen. Ich bin in diesem Dialog zwischen einem Neurowissenschaftler und einem buddhistischen Mönch nämlich auf zwei Phänomene gestossen, die mich sehr fasziniert haben und denen ich mit eigenen Erfahrungen nachzugehen versuche. Das eine, über das ich hier schreibe, nennt sich „attentional blink“, auf Deutsch: Das Blinzeln der Aufmerksamkeit.

Die Aufmerksamkeit ist immer wieder einmal unterbrochen, was Singer damit erklärt, dass „jedesmal, wenn ein Reiz wahrgenommen wird, der nächste und vielleicht auch der übernächste übersehen wird, weil das Gehirn noch mit der Verarbeitung des eben noch bewußt wahrgenommenen Reizes befasst ist…“ Bildlich: Wie eine Jalousie, die ständig auf- und zugeht, ist unsere Aufmerksamkeit und somit das, was wir von der Welt wahrnehmen, gefiltert und teilweise für uns nicht vorhanden (weil nicht wahrgenommen). Der Zeitintervall für solche Aufmerksamkeitslöcher bewegt sich bei normalen Menschen im Bereich zwischen 50 Millisekunden und bei komplexen Mustern einer halben Sekunde. Als Meditierender, der sich um besseres Gewahrsein bemüht, und gleichzeitig als jemand, der auch über neurophysiologische Vorgänge Brücken zum Buddhismus sieht, war ich beim Lesen dieser Passagen schnell sensibilisiert.

Blinzeln der Aufmerksamkeit im Selbsttest

Wer sich so wie ich weiter dafür interessiert, kann sich folgenden Testläufe zum Aufmerksamkeitsblinzeln unterziehen. Unter dem angegebenen Link werden, eingebettet in eine schnelle Abfolge von Zahlen, kurz Buchstaben eingeblendet. Insgesamt 30 mal sollen dabei die Buchstaben erkannt und anschließend in einen Dialog eingetippt werden. Dann erfogt eine Auswertung, wie oft man bei diesen Tests ein Aufmerksamkeitsblinzeln zeigte:

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Dies ist ein vergleichsweise einfacher Test von Patrick Craston mit einem wenig komplexen Reizmuster (etwas schwieriger gibt es das von der Uni Hannover hier). Bei mir zeigen sich in der Regel nach einer Meditation mit Leichtigkeit Ergebnisse ohne ein einziges Aufmerksamkeitsblinzeln. Die Neurowissenschaft hat solche Experimente bei Menschen mit wesentlich größerer Meditationserfahrung durchgeführt und dabei Intervalle und Komplexität der verdeckenden Muster variiert. Dabei zeigten sich bei den erfahrenen Meditierenden (darunter buddhistische Mönche und katholische Nonnen) viel kürzere Blinzel-Intervalle als bei ungeübten. Ein buddhistischer Mönch konnte gar so aufmerksam bleiben, dass ihm kein einziger attentional blink unterlief. Das nenne ich jetzt einfach mal ständiges Gewahrsein. Meine Auslegung ist aber auch: Erst durch die Nicht-Identifikation mit den vordergründigen Objekten, das Nicht-Haftenbleiben konnte der Mönch seine stete Aufmerksamkeit (sein Gewahrsein) aufrecht halten. Das bestärkt mich auf meinem Weg des Dharma.

(das zweite Phänomen sind Mikroausdrücke und werden im nächsten Blogbeitrag einem der nächsten Beiträge behandelt)

 

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