Rilke schaut den Buddha an

Links: Portrait Rainer Maria Rilke von Paula Modersohn-Becker, 1906 – Rechts: Buddha-Amithaba-Statue

Mit Rainer Maria Rilkes Werk habe ich mich die vergangenen Jahrzehnte meines bisherigen Lebens kaum beschäftigt. Eine dunkle Erinnerung an die Schulzeit, und ein paar nebenher gehörte Vertonungen einiger seiner Gedichte, das war es dann auch schon. Obwohl ich eine ausgesprochene Leseratte bin – Gedichte lagen mir nicht. Oder besser gesagt, ich hatte dafür keine Rezeptivität. Seit ich praktizierender Buddhist bin, hat sich mein Verhältnis zur Lyrik jedoch gründlich geändert. Begünstigend dafür ist sicherlich das Lesen der buddhistischen Sūtras, den alten Lehrreden, die nun mal selber oft genug in Versform vorliegen, so etwa im Dhammapada. Und nun beginne ich, mich in Rilkes Werk zu vertiefen. Den Samen dafür säte Bodhimitra, ein Ordensangehöriger der buddhistischen Gemeinschaft Triratna, in einem Vortrag („Das Schweigen des Buddha und das Problem mit der Sprache“). Er als gebürtiger Niederländer, der seit 1992 in Deutschland lebt, versuche immer noch die Tiefe der deutschen Sprache besser zu durchdringen. Eines seiner forderndsten Übungsgebiete: Rilke. Na denn, dachte ich mir, den Rilke schaue ich mir auch mal an, mal sehen wie ich damit klar komme.

Wenige Wochen später blättere ich in Rilkes Buch der Bilder und lese als erstes die Gedichte, die mich „anspringen“. Eines davon vereinnahmte mich sogar:

Und wieder rauscht mein tiefes Leben lauter,
als ob es jetzt in breitern Ufern ginge.
Immer verwandter werden mir die Dinge
und alle Bilder immer angeschauter.

Dem Namenlosen fühl ich mich vertrauter:
mit meinen Sinnen, wie mit Vögeln, reiche
ich in die windigen Himmel aus der Eiche,
und in den abgebrochnen Tag der Teiche
sinkt, wie auf Fischen stehend, mein Gefühl.

Mit allen Sinnen, den Sinnestoren als Weltbezug, wird das Selbst eins mit den Dingen. Bei Rilke, der um stete Veränderung und Vergänglichkeit weiß (siehe zum Beispiel sein bekanntestes Gedicht Herbsttag), wird das Selbst, das Ich, weicher und übergänglicher. Und er fasst das Namenlose, umkleidet von Worten. Die letzten zwei Zeilen lassen das direkte, nicht bewertete Erfassen durch die Sinne schließlich in ein Gefühl eingehen. Aber es drängt sich nicht vor die Sinne, es sinkt und setzt sich. Und ist nicht fest verwurzelt wie die Eiche, sondern flüchtig und kaum greifbar wie die Fische tief im Teiche.

Das Gedicht mit dem Titel Fortschritt (!) schrieb Rilke im Jahr 1900, als er sich von seiner ersten Schaffensphase löste, zu dem Schönen bezieht er auch das unangenehmen und hässlichen Seiten des Da-Seins ein. Er „wurde zu einem Schauenden, zu einem, der sich auf alle Dimensionen der Wirklichkeit einlässt“ (so der Vorspanntext des Insel-Verlags zum Buch).

Beim ersten Reflektieren von Fortschritt fragte ich mich: Hat Rilke auch den Buddha angeschaut?

Die paar Zeilen weisen auf Kernthemen des Dharma hin: Es gibt kein beständiges Selbst (Anātman, Nicht-Selbst), das sich von der Um-Welt trennt. Die Sinnestore (salāyatana) stehen offenkundig weit offen. Das Namenlose, es zieht sich durch Rilkes Werk, verweist auf eine Wirklichkeit, die durch Worte nicht zu beschreiben ist, so wie letztlich das Nirvana nicht in Worten zu fassen ist.

Der Maler Cy Twombley zitiert die letzten vier Zeilen von Fortschritt in Unititled (A Painting in Nine Parts) Part I, 1988 (Cy Twombley Gallery, Houston)

Ich begab mich auf die (Internet)Suche. Gab es irgendwelche Verbindungen, die Rilke zu buddhistischem Gedankengut hatte? Die ihn inspiriert hatten? Ergebnis: Zu dem Zeitpunkt, als Rilke sein Poem Fortschritt verfasste, wohl nicht. Wenn überhaupt, dann gab es nur indirekte Einflüsse. Er hat Schopenhauer und Nietzsche gelesen, besonders letzterer beeinflusste ihn sehr, und beide beschäftigten sich intensiver mit dem Buddhismus. Schopenhauer gilt gar als der erste große Wegbereiter des Buddhismus in Deutschland. Fortschritt ist aber Schöpfung und Ausdruck von Rilkes eigener Weltinnerlichkeit. Rilke hatte 1900 und davor keine buddhistischen Texte studiert.

Doch später tauchen – unvermittelt gar – drei Gedichte in Rilkes Werk auf, die den Buddha zum Gegenstand haben. Sie heißen zweimal Buddha (geschrieben 1905 und 1906) und schließlich Buddha in der Glorie, das 1908 verfasst wurde. Die Zeilen dieses abschließenden und komplettesten Gedichts über den Erleuchteten sind Ausdruck einer tieferen „Schauung“:

Mitte aller Mitten, Kern der Kerne,
Mandel, die sich einschließt und versüßt, –
dieses Alles bis an alle Sterne
ist dein Fruchtfleisch: Sei gegrüßt.

Sieh, du fühlst, wie nichts mehr an dir hängt;
im Unendlichen ist deine Schale,
und dort steht der starke Saft und drängt.
Und von außen hilft ihm ein Gestrahle,

denn ganz oben werden deine Sonnen
voll und glühend umgedreht.
Doch in dir ist schon begonnen,
was die Sonnen übersteht.

Während sich die ersten zwei Gedichte noch mit der Gestalt, besser dem Bildnis des Buddha beschäftigen (Wüßte einer denn zu sagen, welche Dinge eingeschmolzen wurden, um dieses Bild auf diesem Blumenkelche aufzurichten“), löst sich Buddha in der Glorie von der Statue, dem Figurhaften, dem Abbild. Der Buddha ist die Mitte, das Weltliche und alle Galaxien das Fruchtfleisch, das im Kern des Kerns den Buddha nicht berührt, umschließt. Und die ersten vier Zeilen schließen auf Augenhöhe: Sei gegrüßt. Die beiden weiteren Vierzeiler führen weiter in die Unendlichkeit, zur Kraft des Transzendenten, zum Zeitlosen und weg vom Anhaften – du fühlst, wie nichts mehr an dir hängt.

Das alles dürfte sich Rilke vor allem durch Betrachten, Kontemplieren und Reflektieren erschlossen und dann zum Ausdruck gebracht haben. Das Studium buddhistischer Schriften fand bei ihm wohl nur ansatzweise statt. 1905, kurz bevor das erste Buddha-Gedicht entstand, schrieb Rilke an seine Frau Clara Westhoff: „Und unten vor dem Fenster steigt der Kiesweg zu einem kleinen Hügel an, auf dem in fanatischer Schweigsamkeit ein Buddha-Bildnis ruht, die unsägliche Geschlossenheit seiner Gebärde unter allen Himmeln des Tages und der Nacht in stiller Zurückhaltung ausgebend. C´est le centre du monde, sagte ich zu Rodin.“

Die Buddha-Statue im Garten Rodins (Quelle: Musée Rodin, Georg Treu, Bei Rodin)

Rilke ist zu diesem Zeitpunkt so etwas wie ein Privatsekretär von Auguste Rodin, und dieser Meister der Plastiken kaufte auf der Weltausstellung 1900 mehrere Buddha-Statuen. Eine davon, eine Amitabha-Figur, wird auf einem eigens dafür aufgeschütteten Hügelchen in Rodins Garten in Meudon aufgestellt. Und diese sieht Rilke 1905, worauf er seinen ersten unmittelbaren Eindruck in dem Brief an seine Frau beschreibt – und kurz darauf sein erstes Buddha-Gedicht verfasst (und wenig später sein zweites, beide werden später in Neue Gedichte veröffentlicht werden). Auffällig, dass er sofort den Begriff der Mitte der Welt (le centre du monde) findet, der sich schließlich wieder als starker Einstieg („Mitte aller Mitten“) bei Buddha in der Glorie findet.

1908, dem Jahr, in dem Rilke Buddha in der Glorie verfasst, schickt ihm Clara ein buddhistisches Buch nach Paris, wo er mittlerweile in einem Hotel logiert, an einem Prosawerk arbeitet und die Gedichtsammlung Neue Gedichte II zusammenstellt. Es handelt sich um die Dīgha Nikāya, den ersten Teil der Längeren Sammlung in der Übersetzung von Karl Eugen Neumann. Und es ist das erste buddhistische Werk, das Rilke belegbar zumindest anliest. Aber das Werk wird von Rilke zurückgelegt, weil ihm seine Arbeiten vorgehen. Es wird ein wenig Wirkung hinterlassen haben, denn Rilke nimmt Buddha in der Glorie in Neue Gedichte II auf, setzt es sogar als Finale als letztes Gedicht ein.

Das sinnliche Erfassen des Buddha in Form der Statue im Garten Rodins hat Rilkes drei Buddha-Gedichte stärker geformt als das Lesen irgendwelcher Literatur. Dieser Zugang dürfte ziemlich einzigartig in der christlich geprägten europäischen Lyrik sein – ein Nicht-Buddhist dringt weit in das Wesen des Dharma, dem von Buddha erkannten und gelehrten Daseins-Gesetzes, ein. Rilke war ein Aufsucher, ein Zufluchtnehmer der Stille. Das und die Erfahrung der Dinge, aus der er über die Dinge hinaussieht, ermöglichen eine An-Schauung des Buddha und seiner Natur, die er mit anderen Mittel als mit Intellekt, Lesen und Studieren erreicht. Dem Buddha Shakyamuni dürfte auch dieser Weg gefallen.

 

Literatur zum Thema: Karl-Josef Kuschel, Rilke und der Buddha – Die Geschichte eines einzigartigen Dialogs, Gütersloher Verlagshaus, 2010, ISBN: 978-3-579-07020-9

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22. Februar 2015 von luminhunter
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Blog den Welttag: Ich verlose endlich Kokain

(Verlosung beendet)

So, das war jetzt zu verlockend, das e in endlich in der Titelzeile klein zu schreiben. Denn es muss heißen „Endlich Kokain“. So lautet der Titel des frisch reingeschneiten Buchs von Joachim Lottmann, dem – wer hat´s erfunden – Popliteratur-Autoren. Der das Talent hat, Bücher in die Welt zu setzen, die erst nach 81 Verrissen (Zählung des Autoren zu „Mai, Juni, Juli“) von einsichtigen Redakteuren geadelt werden. Ein Mann, der den langen Atem gelernt hat.

Einen langen Atem muss auch seine Hauptfigur Stephan Braum in „Endlich Kokain“ beweisen, um, nach fast dreiviertel der Seiten, sich statt all der Verschnitte endlich reines Kokain durch die Nase ziehen zu können. Solch einen Anlauf brauchte einst Sigmund Freud, dessen tolle Erfahrungen mit dem Giftschnee in Braums W.T. (Wissenschaftlichen Tagebuch) nachgespurt werden sollen, nicht nehmen. Nun ist es aber soweit – und die Wirkung, deren Beschreibung unnötig ist, dann auch bald vorbei. „Selbst bei reinem Kokain hat man einen 25-prozentigen Stimmungsabfall über eine halbe Woche. Am Strand von Acapulco kann man aber damit umgehen“, meint die erfahrene, junge Xenia, die spurenziehende Begleiterin von Braum (weil der mehr Koks hat als der alte Architektensack in Südfrankreich).

Dabei war Braums Ziel beim Koks-Konsum doch ursprünglich nur das Abnehmen. Fernsehredakteur, frühpensioniert mit und wegen 135 kg Lebendgewicht, zunehmend schlanker im Verlauf des Buchs, stellt Braum zudem ein wachsendes Ego an sich fest, das ihn mittenhinauf in die Angesagtheit der Wiener Kunst(schnee)szene befördert, bei der alles so echt ist, wie sich auf Koks Wasser unter der Dusche wie Champagner prickelnd anfühlt, aber doch nur Wasser ist. Lottmanns Buch ist die Klischeeerhöhung eines Milieus, in der sich anscheinend alle Protagonisten selber erhöhen müssen, und das auf eine ziemlich lästerliche, satirische und komische Art. Das Grande Finale gibt es dann, mit Schmäh, in Berlin. Und dort treten dann die Celebrities, die jetzt das Feuilleton so gerne entdeckt und in seinen Buchbesprechungen aufzählt, mit Echtnamen und angedeutet noch gehäufter auf. Name dropping erspare ich mir aber und empfehle das Buch auch so als absolut lesenswert.

Zum Welttag des Buches und im Rahmen der Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ verlose ich ein reines, unverschnittenes Exemplar von „Endlich Kokain“ (erschienen im KiWi-Verlag) unter allen Kommentaror/innen, die mir folgende Frage beantworten:

Wie helft Ihr eurer Kreativität auf die Sprünge?

(Ich hoffe drogenfrei…)

Die Teilnahmefrist läuft bis Freitag, den 2. Mai 2014, 23:59 Uhr. Keine Mehrfachteilnahmen, Rechtsweg ausgeschlossen. Gewinnbekanntgabe am 03.05.


(Link zum Onlineshop einer Buchhandlung in deiner Nähe)

 

—–

 

Die Verlosung ist beendet. 22 TeilnehmerInnen hinterließen mir einen Kommentar, ich habe den Zufallsgenerator von random.org angeworfen und gewonnen hat – tata – Sanny E., die ihrer Kreativität ausgerechnet mit Büchern auf die Sprünge hilft. Gratulation!

23. April 2014 von luminhunter
Kategorien: Lesen | Schlagwörter: , , , | 29 Kommentare

Verlosung / Vorankündigung Volume 2 – Blog den Welttag 2014

10. April 2014 von luminhunter
Kategorien: Lesen, Probiert | Schlagwörter: | 1 Kommentar

Wortwolkenbild – lumin:hunter so far – April 2014

Wortwolke aus 100 zufällig gewählten Worten, die in diesem Blog bislang verwendet wurden. Klick zum Vergrößern. Erzeugt mit Wordle.

04. April 2014 von luminhunter
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Zweischneidig: Mikro-Gefühlsausdrücke erkennen

Gustave Courbert – Le Désespéré

Menschen können gar nicht anders, als ihre Gefühle im Gesichtsausdruck zu zeigen, und sei es auch nur für den Bruchteil einer Sekunde. Das mit dem Bruchteil ist wörtlich zu nehmen. Die sieben kulturell unabhängigen Gefühlsausdrücke Freude, Wut, Angst, Trauer, Überraschung, Verachtung und Ekel lassen sich nicht verbergen. Wie ein Vorhang sich kurz öffnet, so zeigen sich diese Gefühlsausdrücke in kurzen Zeitfenstern von einer Fünftel Sekunde bis unter einem Dreissigstel einer Sekunde als Intermezzo des vordergründigen Gesichtsausdrucks. Zum Vergleich für diese Zeitspanne kann man den Film hernehmen. Hier reichen 24 Bilder pro Sekunde aus, dem Betrachter eine flüssige Bewegungsabfolge vorzuspielen.

Eine noch kürzere Zeitspanne ist da bewusst eigentlich nicht wahrnehmbar. Und doch geht dies, und man kann diese Fähigkeit erlernen und trainieren. Das Buch, in dem ich auf diese kurzen Gesichtsausdrücke stieß, hat den Titel »Hirnforschung und Meditation. Ein Dialog.« Der Hirnforscher Wolf Singer und der französischstämmige buddhistische Mönch Matthieu Ricard reden darüber, wie Bewußtheitstraining (Meditation) und Neurowissenschaften in Beziehung treten können.

Nun, diese Mikroausdrücke bzw. micro expressions sind seit den Forschungen von Paul Ekman bekannt geworden und in oben zitiertem Buch wird darauf eingegangen, dass bei Messungen von Paul Ekman Menschen mit viel Meditationspraxis micro expressions ungleich besser erkennen als andere Testpersonen. Matthieu Ricard erklärt dies damit, dass erfahrene Meditierende eine besondere Befähigung zur Emphatie entwickelt haben. Das Mitfühlen der Gefühle anderer wird durch gar nicht so besondere Mediatationspraktiken eigens trainiert – und es ist eine nicht leichte Übung, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann. Gesteigerte Achtsamkeit gehört da auch hinzu, ergänzt Wolf Singer und verweist auf den minimalen attentional blink von Meditierenden.

Sehr schnell nachdem ich mich etwas mehr mit micro expressions zu beschäftigen begann, stieß ich auf eine zweite im Erkennen der Mikroausdrücke besonders begabte Personengruppe: Geheimdienstler. Sie und andere Verhör- und Analysespezialisten werden extra darauf trainiert, diese kurzen »verräterischen« Gefühlsausdrücke zu erkennen. Ob dabei Emphatie im Spiel ist, wage ich zu bezweifeln. Bald darauf stellte ich auch fest, selbst Personalchefs, vermeidlich betrogene Ehefrauen und -männer und überhaupt alle, die sich dafür aus welchen Gründen auch immer dafür interessieren, können ihre Fähigkeit, micro expressions zu erkennen, mit kommerziellen Hilfsmitteln trainieren.

Was der Mensch kann, soll künstliche Intelligenz auch können. Und so ist die Wirtschaft heftig interessiert an Anwendungen, die die wahren Gefühle der Kunden gegenüber ihren Waren verrät. Die Datenbrille Google Glas ist dafür anscheinend eine hoch interessante Grundlage. Der Startup Emotient sammelte gerade erst für eine Datenbrille-Anwendung für den Handel zum Gefühle-Lesen ohne Mühe mal eben acht Millionen Dollar an Finanzierung ein.

Die schöne Seite des emphatischen Erkennens von Mikroausdrücken bekommt also ein profanes bis häßliches Gegenstück, bei dem andere als positive Beweggründe im Vordergrund stehen. Meist geht es darum, Lügen zu entlarven, ohne seine besonderen Fähigkeiten dazu offenzulegen.

Selbst Paul Ekman ist kommerziell erfolgreich dabei, seine Erkenntnisse zu monetarisieren und schult CIA, FBI und private Sicherheitsfirmen. Walt Disney setzte Ekmans Wissen im Animationsfilm »Toy Story« erstmals ein. Von da bis zu emotionserkennenden und -simulierenden Roboterwesen ist es nicht mehr weit. Und zum Täuschen eben durch das Wissen per Mikro-Gefühlsausdrücke auch nicht…

Hieronymus Bosch – Kreuztragung Christi (Ausschnitt)

Tröstlich, dass eine differenzierte Wahrnehmung der Gefühlsausdrücke (plus Gestik, Körperhaltung, Stimme, …) wohl noch weit von der maschinellen Verwertbarkeit liegt. Menschen werden nach wie vor von einem emphatischen menschlichen Mitgefühl besser verstanden und profitieren dabei mehr als bei obigen selbstsüchtigen Anwendungen. Das komplette Vokabular, die Sprache der Gefühle verstehen emphatisch erkennende (kognitiv) und mitfühlende (emotional) Menschen am besten.

Und bemerkenswert und für mich versöhnlich ist, dass Paul Ekman auf den Dalai Lama getroffen ist, mit ihm in einem Programm Meditation, die Kultivierung von Mitgefühl und Weisheit, pardon wissenschaftliche Erkenntnis zusammen gebracht hat, und sich nun einem neuen Themenfeld zugewandt hat: dem Weg zum Glück.

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23. März 2014 von luminhunter
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Buchblogger/innen, so könnt ihr den lokalen Buchhandel auch online unterstützen!

Schon lange habe ich überlegt, wie ich Links zu den Buchtipps hier auf diesem Blog setzen kann, die einerseits einheitlich sind und zweitens meine alten Amazon-links ersetzen können, ohne dass Leser an Komfort verlieren. Wenn ich dann auch noch drittens den stationären Buchhandel dabei unterstützen kann, den ich „offline“ auch besuche: Umso besser. Und jetzt habe ich eine passende Lösung gefunden.

Bevor ich aber dazu komme, möchte ich kurz erläutern, warum ich keine Amazon-links mehr setzen will. In Deutschland gibt es die Buchpreisbindung, bei der kein Vertriebsweg von anderen im Endpreis abweichen darf. Bei allen Vor- und Nachteilen, die man von wirtschaftsliberaler Seite einwerfen mag, hat die Buchpreisbindung doch dafür gesorgt, eine schöne Titelvielfalt und lebendige Literatur zu schaffen. Doch dann kam das Internet und bald darauf Amazon. Die riesige Verfügbarkeit und die schnelle Lieferung locken, Amazon-Kunde zu werden. Doch Amazon ist auch oft genug negativ  in die Schlagzeilen gekommen, etwa wegen der Arbeitsbedingungen. Und meines Erachtens profitiert Amazon gerade wegen der Buchpreisbindung und wegen seiner Einkaufsmacht und seiner kostensparenden Logistik unverhältnismäßig von der Buchpreisbindung. Als diese sich etablierte, gab es schließlich noch kein Internet und keinen Onlinehandel.

Den Buchhandlungen fehlte es da an vielem, um dem online gegenhalten zu können. Nun ist mir ein Angebot von Libri.de aufgefallen, einem Partnerportal der Buchhändler. Hinter Libri.de steht die Libri GmbH, die den Buchhandel auch beliefert und an die fünf Millionen Titel im Katalog hat, davon sind 600 000 im eigenen Logistikzentrum und sofort lieferbar. Praktisch alle Titel, über die in Deutschland mehr als fünf Leute sprechen, sind aus diesem Bestand erhältlich und werden über die Tochter Booxpress auch an die Buchhandlungen verteilt. Libri.de hat nun für Webseiten HTML-Code für Web-Banner bereitsgestellt, mit dem Leser in den Onlineshop ihres lokalen Buchhändlers finden und dort anstatt bei Amazon online kaufen können.

Der Code führt zur Anzeige dieses Banners:

(Diesen Banner hier habe ich auf den Titel Der Buchhändler aus Kabul von Åsne Seierstad verlinkt, einfach mal draufklicken)

Ein Klick auf das Banner öffnet eine Buchhandels-Suche und nach Eingabe seiner Postleitzahl werden dem Leser die nächsten beteiligten Buchhandlungen aufgelistet. Hat man/frau nun seinen/ihren Händler ausgesucht, ergibt die nächste Seite gleich den Titeltreffer im Onlineshop des Händlers.

Postleitzahlensuche nach dem nächsten lokalen Buchhändler

Wie geht nun die Einbindung des Banners? Dazu holt ihr euch zuerst den HTML-Code von dieser Libri-Seite. Es gibt verschiedene Varianten/Größen und zwei Versionen. Die linke bindet den Buchtitel nicht ein, damit führt der Link hinter dem Banner einfach nur zur Shopsuche lokaler Buchhändler. Bei der Version rechts könnt ihr die EAN-Nummer des Buchtitels einsetzen – und zwar durch Ersetzen des Texts „EAN-NUMMER“ im HTML-Code. Die EAN-Nummer ist schlicht und einfach die ISBN-Nummer des Buchtitels ohne Bindestrich. Die ISBN-10 reicht vollkommen aus und die lässt sich beispielsweise (grins) einfach bei Amazon kopieren, wenn ihr sie nicht zur Hand habt.

Ein Banner mit dem zugehörigen HTML-Code. Die zu ersetzende Zeichenfolge für den eigenen Buchtitel ist hier rot umrahmt.

Mit der EAN-Nummer führt die Suche dann direkt zum Buchtitel im Shop des vom Leser gewählten Buchhändlers.

In WordPress-Editor wählt ihr zum Einsetzen des Codes statt des visuellen Editors den Text-Editor (der rechte Tab oben rechts am Editierfenster). Soll ein Titel ganz prominent gezeigt werden, könnt ihr ihn auch als eigenes HTML-Widget platzieren. Wer über andere Plattformen bloggt, kann sich im Internet schlau machen, wie man dort HTML-Code einsetzt. Und vielleicht findet sich ja noch ein buchvernarrter Programmierer, der ein Plugin für mehr Komfort bastelt, bei dem man nur noch die EAN eingeben muss.

Zugegeben, das klingt nicht komfortabel und eine einfache Verlinkung ist bequemer. Aber Unterstützen und Bequem geht nun mal meistens nicht gut zusammen.

27. Februar 2014 von luminhunter
Kategorien: Lesen, Resourcen | Schlagwörter: , , | 2 Kommentare

Wenn Buddhismus kein Ismus ist, ist ein Buddhist dann auch kein Buddhist?

Mit dem Wesen von Worten – das, was ihnen innewohnt – beschäftige ich mich immer ausführlicher. So liegt es auf der Hand, dass ich mich spätestens mit meiner Annäherung an die buddhistischen Lehren und Praktiken mit dem Wort Buddhismus und seiner Personenform Buddhistin / Buddhist auseinandersetze. Ich bin doch mein (halbwegs) bewusstes Leben lang vorsichtig, skeptisch oder auch mal ablehnend gegenüber allem mit -ismus und den den damit verbundenen Dogmen gewesen.

Nun aber praktiziere ich Buddh-ismus, nehme Zuflucht zu den drei Juwelen, zum Buddha, dem Dharma und Sangha. Man kann mir also das Etikett Buddhist anhängen. Bin ich nun nicht doch in einen Ismus geraten? Das wird jeder Buddhist aufrichtig verneinen. Buddhismus ist kein Ismus.

Ismen dienen dazu, sich mit etwas zu identifizieren oder sich von etwas abzugrenzen, eine Anhaftung oder Ablehnung will mit buddhistischem Lehrverständnis aber nicht zusammengehen. Zumal auch die Aufforderung des Buddha, zu hinterfragen, was dein Lehrer sagt, mit einem Ismus nicht zusammenpasst.

Selbst als neutraler Begriff ist ein Ismus auch noch in diesem Sinne zu verstehen: Anachronismus wäre so ein Wort, die Abgrenzung dabei ist „von gestern und nicht von heute“. Mindestens dualistisch abgrenzend sind selbst Wörter wie Optimismus. Im religiösen Kontext ist ein -ismus schon mit (Kirchen)Dogmen besetzt: zum Beispiel Katholizismus. Und mit den dogmatischen Ismen wird es oft schlimm: Rassismus, Sexismus, Fundamentalismus.

Wie also kann ich mich bezeichnen, wissend darum, dass Wörter immer nur Begrifflichkeiten sind und damit Krücken, die nur um-schreiben können? Bis jetzt kann ich mich noch am besten mit Buddha-iker anfreunden; ein Begriff in Anlehnung an antike Geistesschulen. Die Anhänger der Philosophie von Platon – ein Mensch – sind keine Platonisten, sondern Platoniker. Die Anhänger der Lehren von Buddha – ein Mensch – sind … Buddhaiker.

Mir sagt auch der Praxisbezug in der Wortschöpfung Buddhaiker zu. Der Buddhismus wird praktiziert, gelebt. Ach ja, das steckt ja auch im Wort Praktiker. Davon ausgehend käme ich zu praktizieren und analog buddhaizieren… Und Buddhismus wäre dann Buddhaik wie Praktik?

Ich sehe ein, ein begriffsholpriger Irrweg. (Ich habe auch nach „Buddhaiker“ in Bing und Google gesucht: Null sinnvolle Treffer.) Deswegen, und letzlich weil es auch nur ein Etikett ist, werde ich diese Wortschöpfung nur still und leise für mich denken: Buddhaiker.

24. Januar 2014 von luminhunter
Kategorien: Change | Schlagwörter: , , , | 1 Kommentar

Fundstücke: Esther, Esther

Bild: lumin:hunter

Bild: lumin:hunter

19.01.2014, Stadtgarten, Essen (Koordinaten)

19. Januar 2014 von luminhunter
Kategorien: Fotografie | Schlagwörter: , | Schreibe einen Kommentar

Verlosung / Vorankündigung: Blogger schenken Lesefreude 2014

Auch dieses Jahr bin ich wieder dabei: Zum diesjährigen Welttag des Buches am 23. April 2014 startet die 2. Blogger-Verlosungsaktion „Blogger schenken Lesefreude“. Wir sind dann wieder Botschafter in Sachen Buch, ob nun gedruckt, als eBook oder zum Hören. Dabei verlosen wir Blogger – jeder in Eigenregie – ein Buch, manche sicher auch mehrere Bücher. Auch die Modalitäten der Verlosung legt jeder teilnehmende Blogger selber fest. Mehr zu meinem Beitrag und welche(n) Titel ich dann verlose (ich habe da schon so eine Idee) gibt es pünktlich am 23. April. Den Gewinn stelle ich und ich übernehme natürlich auch den Versand.

Wer als Blogger selber an der Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ mitmachen will – letztes Jahr waren es übrigens 1009 Blogs – erfährt mehr zu den Modalitäten, der Vernetzung untereinander und weiteres auf der Aktions-Homepage der beiden Initatorinnen Christina (persönliches Blog) und Dagmar (persönliches Blog).

Übrigens, der hashtag zur Aktion, den möchte ich Euch nicht vorenthalten: #lesefreude

(Update: Und das hier wird verlost)

18. Januar 2014 von luminhunter
Kategorien: Allgemein, Lesen | Schlagwörter: , , | 2 Kommentare

EU will E-Zigarette durch Regulierung und Redeverbot vom Markt fegen

Abbildung von Pixelblume, flickr

Ich bin seit einiger Zeit Nichtraucher. Das ist mir mit E-Zigaretten gelungen, die nicht geraucht, sondern gedampft werden. E-Zigaretten bestehen aus einem Akku und einem Träger mit Verdampfereinheit und Behältnis für die zu verdampfende Flüssigkeit. Diese Flüssigkeit wird vernebelt, ähnlich wie bei einer Disko-Nebelmaschine. Die Flüssigkeit ist frei von Feststoffen (Partikel), besteht aus lebensmittelrechtlich zugelassenen Bestandteilen und Aromen und kann (muss aber nicht) Nikotin enthalten. Beim E-Dampfen entstehen keine Verbrennungsprodukte. Leider gibt es in der öffentlichen Wahrnehmung eine Art Verzerrung, was die Gesundheitsschädlichkeit von Tabakzigaretten und E-Zigaretten betrifft.
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07. Dezember 2013 von luminhunter
Kategorien: Allgemein, Change | Schlagwörter: , , , , , , , | 2 Kommentare

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